Narzissten und Narzisstinnen (ich schreibe hier wie immer in der männlichen Form, das ist leichter zu lesen) erzählen manchmal wirklich viele Stories, die so, wie sie diese erzählen, nie passiert sind. Im Extremfall erfinden sie im Alltag ganz neue Geschichten oder dichten Erlebnisse so um, dass sie selbst ihr Ziel mit diesen erreichen. Heute schauen wir uns einmal drei ganz typische Stories und Lieblingsthemen von ihnen an. Denn weißt du, was interessant ist? Oft sind sich diese Geschichten ziemlich ähnlich.
Aber vorab möchte ich diese kurz abgrenzen von dem pathologischen Bereich. Dort gibt es die Pseudologia fantastica (PF) und die ist krankhaft.
Wissen: Pseudologia fantastica
Pseudologia phantastica beschreibt die zwanghafte Neigung zum Lügen, bei der Kranke meist selbst an die Wahrheit des Vorgebrachten glauben. Eine besondere Form stellt das Münchhausen-Syndrom dar (vgl. https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/pseudologia-phantastica abgerufen am 3.04.2026). Es ist allgemein bekannt als pathologisches Lügen oder Mythomanie. Ein psychiatrisches Phänomen, das durch anhaltendes, weit verbreitetes und oft zwanghaftes Lügen gekennzeichnet ist. Pseudologia fantastica beinhaltet die komplexe Ausarbeitung stark übertriebener Erzählungen aus verschiedenen Lebensbereichen, darunter der persönliche Hintergrund, Leistungen und zwischenmenschliche Beziehungen. Pseudologia fantastica ist gekennzeichnet durch einen aufrichtigen Glauben an die Wahrhaftigkeit der erfundenen Erzählungen und nicht durch einen bewussten und kalkulierten Versuch, für einen bestimmten Vorteil oder Zweck zu täuschen. Weitere Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39163430/ abgerufen am 3.04.2026).
Aber jetzt schauen und aber nun die Lügengeschichten von Narzissten an:
3 typische Geschichten von Narzissen
Narzissten sind schlauer als alle anderen
Narzissten wollen unbedingt als extrem smart und wissend gesehen werden. Sie wollen unbedingt kompetent wirken. Sie glauben oft das schaffen sie, indem sie sich selbst glänzen lassen und andere abwerten und belächeln. So eben auch bei ihren Stories. Sie stellen sich als wesentlich wissender dar als andere. Im Extremfall oft auch als Fachleute, die sie in ihren irren Stories Geschichten andichten. Das nimmt oft extrem skurrile Züge an.
Beispiel Hedda und ihre Geschichten
Die Nachbarin Hedda war drei Wochenbei der Kur und nun beim Abendessen bei den Nachbarn Mareike und Hendrick eingeladen. “Hedda, erzähl mal von Deiner Kur” sagte Mareike. “Hat es mit Deinen Schmerzen was gebracht?”. „Ach hör auf“ sagte sie“ich habe mehrfach den Arzt gewechselt“,, der letzte Meinte dann auch, sie kennen sich ja viel besser aus als ich und ich stehe kurz vor der Rente. Von mir aus brauchen wir hier auch nicht sprechen. Naja und dann habe ich da vor allem mich mal drei Wochen ausgerut und gechillt. Dafür war es gut. Ich dachte mir schon, dass sie da nur die leichten Fälle haben und mit mir da überfordert sind. Mareike, die selbst OP-Schwester war wunderte sich. „Dann haben die schon nach der ersten Woche nichts mehr gemacht? Die wollten doch auch psychosomatisch mal schauen“. „Kannst Du vergessen, alle keine Ahnung, wie gesagt“. erwiderte Hedda.
Irgendwie konnte Mareike das nicht so richtig glauben,
die Klinik war super und dafür bekannt, dass sie im Bereich Schmerzen und Psychosomatik super war. Zudem war eine ehemalige Kollegin dort tätig und die hatte auch von den tollen Konzepten dort erzählt. Aber Hedda erzähle eine ganz andere Story. Dann begann Hedda wieder einmal über ihre Schmerzen den ganzen Abend zu reden und zu weinen und auch, dass niemand ihr helfen könne.
Dabei war es ganz anders: Hedda war wenig Complient, lästerte die ganze Zeit über die Ärzte und war überzeugt, dass niemand ihr helfen konnte und das das alles nichts bringt. Man machte mehrere Tests und Untersuchungen und stellte fest dass alle Beschwerden psychosomatisch waren. Tabletten lehnte diese ab ebenso wie eine Therapie, die sie hätte direkt dort starten können.
Narzissten sind die Helden
Narzissten lieben Heldengeschichten und Heldenreisen (Die Heldenreise – englisch Hero’s Journey, auch bekannt als Monomythos – bezeichnet in der Erzähltheorie und Mythologie ein grundlegendes strukturelles Schema von Geschichten, in denen ein Held ein Abenteuer erlebt, in einer Krise siegreich ist und verändert nach Hause zurückkehrt. Quelle: https://en-wikipedia-org.translate.goog/wiki/Hero%27s_journey?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=sge) Diese sind ihr Ding, denn sie wollten sich selbst gerne als Helden sehen und andere in ihrem Umfeld auch. So wie eben im Märchen. Das fokussieren sie im Alltag tatsächlich oft, denn immer wieder erzählen sie von ihren angeblichen Heldentaten. Nicht selten werden sie mit der Zeit immer dramatischer und skurriler. Gerade im engen Umfeld merkt man, dass da so vieles oder mitunter gar nichts nicht stimmt oder hinzugedichtet wurde.
Beispiel: Anton und seine angeblichen Heldengeschichten
Anton machte Mittag, und sein Chef Felix war auch gerade da, wie auch die neue Mitarbeiterin Eva. Sie arbeiteten in einem Outdoorladen. Sofort verwickelte Felix Eva in ein Gespräch, und es dauerte keine zwei Minuten, da kam er auf das Thema Wandern, und wie von Geisterhand fing er wieder mit seiner Retter-Story an, die Anton bereits schon 1000 Mal gehört hatte und die immer anders war. “Der Wind zog scharf an der Kante des Bergs, und der Nebel kroch wie eine schwarze Wand über den Felsen. Wir sind dem Pfad gefolgt, doch plötzlich verloren die zwei letzten Schritte bei Björn den Halt, ein Felsstück brach ab, und mein Begleiter stürzte in eine richtig tiefe. Mit pochendem Herzen griff ich nach dem festen Felsband, holte tief Luft und riss mich zurück auf den Pfad. Unten hörte ich nur das dumpfe Echo meines eigenen Schreis, dann wieder Stille. Die Nacht brach herein, das alles dauerte, und wir mussten also über Nacht dort bleiben, völlig erschöpft und konnten erst am nächsten Tag weiter. Rettung war dort nicht möglich, es war zu einsam, wir waren ganz auf uns gestellt.” Anton wusste aber von dem, der mit Felix die Tour gemacht hatte, dass so vieles nicht stimmte, weder das Wetter noch der Absturz in dem Ausmaß. Sie blieben auch nicht über Nacht und waren recht schnell auf der nächsten Hütte. Aber so war Felix immer, er erzählte seine Geschichten, in denen er der Held war, und gerne immer bei Menschen, die ihn nicht gut kannten, um sie dann zu beeindrucken.
Narzissen lieben Opfergeschichten
Gerade verdeckte Narzissten lieben es, sich als Opfer zu inszenieren. Versteh mich hier bitte nicht falsch, ich möchte niemanden verurteilen, dem etwas Schlimmes passiert ist, im Gegenteil. Aber Narzissten nutzen diesen Status schamlos aus (was mich ärgerlich macht). Bei wirklich jeder Gelegenheit sind sie das Opfer und wollen aus der Rolle auch gar nicht raus. Das ist anstrengend. Um ihrer Rolle Nachdruck zu verleihen, gibt es Opfergeschichten. Das sind oft Dinge, die ihnen passiert sind, die von ihnen aber wesentlich dramatischer erzählt werden, als sie sind, und sie als Opfer sind auch wesentlich leidtragender, als es die Realität war. Nicht selten drehen sie Geschichten auch um, sie selbst behandeln Menschen schlecht, werten diese ab oder schaden ihnen im Extremfall. Sie drehen die Geschichte aber um und stellen sich dann als armes Opfer dar.
Beispiel Mick und seine Schwester Lisa
Mick war so genervt von seiner Schwester Lisa. Sie waren bei den Eltern und schon wieder fing sie mit ihren Opfergeschichten an, um Mitleid zu bekommen. Er kannte das schon. Bereits als Kind machte sie das, um Aufmerksamkeit und Mitleid zu bekommen. Manchmal aber auch, um Mick zu ärgern, denn sie stellte sich als Opfer dar, obwohl sie nicht freundlich zu Mick war und ihn immer stresste. Oft bekam er deshalb den Ärger, weil sie die kleine Schwester war.
So machte sie es noch heute. Sie erzählte ihre Geschichten. Dabei waren die Stories nicht halb so schlimm, wie sie dies schilderte. Bei diesem Familientreffen lenkte sie das Gespräch auf die angeblich so hohen Kosten der Renovierung vom Haus und wie immer wieder schlimme Dinge dir passieren, für die sie nichts konnte. Handwerker, die sie angeblich alle betrogen, Behördenauflagen, von denen ihr niemand etwas gesagt hatte, oder auch Einrichtungsgegenstände, die sie unbedingt haben musste. Sie versuchte so wieder Mitleid zu erregen, um Geld von ihren Eltern als Zuschuss zu bekommen. Dabei hatte sie sich mit dem Projekt heillos übernommen und wollte aber auch auf nichts, was Luxus betraf, verzichten. So erschlich sie sich immer wieder Geld bei den Eltern. Sie selbst tat aber wenig, um mehr Geld zu verdienen, erst kürzlich hatte sie die Stunden auf der Arbeit reduziert, um sich mehr dem Renovierungsprojekt widmen zu können.
Was macht diese Fake-Geschichten von Narzissten oft aus ?
Es ist unfassbar, mit welcher Überzeugung Narzissten diese Märchen erzählen. Manchmal denke ich, dass sie diese selbst glauben. Oft sind diese geprägt von ihrer Schwarz-Weiß-Welt, in denen es Opfer und Held gibt. Die Geschichten wechseln immer etwas im Hinblick auf Ort, Zeit und auch Alter. Im Extremfall suchen sie damit auch die Öffentlichkeit, aber auch in kleinen Runden erzählen sie diese gerne. Gerade im Bereich Social Media werden von Narzissten gerne steile Stories und Thesen verbreitet um damit Aufmerksamkeit zu generieren. Narzisstische Influencer nutzen diese gezielt und manipulativen, um Ziele zu erreichen, Geld zu verdienen und Follower zu bekommen. Pass da online besonders aus, KI hilft ihren dabei bestimmt auch, ihre Gesichten noch krasser zu erzählen.
Achte einmal bei Narzissten auch einmal auf folgendes: Oft sind es grenzüberschreitende Geschichten, mit oft einer sexuellen Komponente, die einen Twist zum Ekel haben.
Warum erzählen Narzissten diese Geschichten?
Narzissten wollen Aufmerksamkeit um jeden Preis. Sie wollen besonders sein und hoffen, sich so ein Image aufzubauen. Es gehört oft auch schon seit Kindertagen zu ihrem Repertoire. Sie unterschätzen ihr Umfeld jedoch, das durchaus oft denkt: “Das kann doch nicht wahr sein, oder?”
Narzissten denken sich Geschichten aus: Meine drei Tipps für dich
- Erkenne, dass Narzissten oft und gerne Fake- und Fantasiegeschichten erzählen.
- Vertraue dir und deiner Wahrnehmung. Wenn dir bei der Erzählung einer Person der Gedanke kommt: “Da kann was nicht stimmen” und das auch immer wieder, dann vertraue dir und deiner Wahrnehmung.
- Hör und schau genau hin, dann erkennst du oft, dass etwas nicht stimmt, denn es sind häufig Details, die sich widersprechen – interessant ist es auch immer, wenn sie diese Geschichten immer wieder erzählen.
- Reaktion nach Situation: Stelle etwas gegebenenfalls klar: “Da war aber eben ein Widerspruch” oder “Das hast du beim letzten Mal aber anders erzählt.” Hier ist die Reaktion interessant, schau da genau hin: narzisstische Menschen werden dann oft sofort abwertend, sind gekränkt, greifen dich an oder schweigen usw. Das ist eine Red Flag. In meinem Buch gibt es dazu auch ganz viele weitere Infos und auch praktische Tipps. Für individuelle Tipps melde dich gerne im Rahmen einer Beratung/ Coaching bei mir.
Das Video zu den Geschichten von Narzissten