Realitätscheck Narzissmus
Narzissten lieben bestimmte Images, die sie oft mit aller Kraft versuchen aufzubauen. Häufig sind es genau die Bereiche, in denen sie bei genauer Betrachtung gegensätzlich sind, auf die sie sich da ganz besonders konzentrieren. Man selbst kann darauf hereinfallen und sich blenden lassen, gerade in der Liebe ist das sehr gefährlich, aber auch sonst kann es belastend sein. Deshalb machen wir heute gemeinsam den „Realitätcheck“. Ich habe hier einmal vier Punkte für dich zusammengestellt, die dir helfen sollen, das Verhalten schneller zu erkennen und anschließend klare Grenzen setzen zu können.
Extrem emphatisch und Hochsensibel vs. emotional missbräuchlich und unsensibel, kaum Empathie
Narzissten (ich schreibe in der männlichen Person, das ist leichter zu lesen) präsentieren sich nach außen als angeblich hochsensible Personen. Sie wollen dadurch auch eine besondere Behandlung von ihrem Umfeld. Zudem erwähnen sie es wirklich unermüdlich, offensichtlich oder unterschwellig durch Bemerkungen. Im Extremfall (das ist oft bei offenen Narzissten der Fall) vermarkten sie dies in der Öffentlichkeit: Sie schreiben darüber, sie posten in den sozialen Medien, haben Podcasts und erzählen dort stundenlang nur über sich und auch, wie belastet sie dadurch sind, sich immer und überall von anderen getriggert zu fühlen. Sie suchen manchmal auch den Auftritt, um das zu untermalen, und weinen in der Öffentlichkeit. Zudem klagen sie die zunehmende Unsensibilität der Gesellschaft an, die sie so belastet.
Aber wenn man sich ihr Leben anschaut, sieht es ganz anders aus. Gerade im engen Umfeld bekommt man genau das Gegenteil zu spüren. Narzissten sind ausnutzend und haben wenig Verständnis für ihr Gegenüber. Besonders empfindlich sind sie, wenn es nicht nach ihren Vorstellungen läuft oder ihnen ein Feedback nicht gefällt. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass Narzissten sogar extrem schnell kränkbar sind? Das ist meiner Meinung das, was sie selbst als „hochsensibel“ bezeichnen (das wollen sie aber nicht hören). Besonders auch die enge Familie kennt das totale Gegenteil ihrer angeblichen extrem ausgeprägten Sensibilität: Kinder werden zu Hause sehr grob behandelt, abgewertet oder sogar beschimpft. Sie werden mitunter körperlich gewalttätig und haben kein Verständnis für sie, Mitleid bekommen sie auch nicht. Für Kinder ist diese Situation extrem belastend, ist das Image der Mutter oder des Vaters nach außen doch ganz anders, als sie es selbst erleben.
Beispiel narzisstische Mutter Rike
Nach außen inszeniert sich Rike als extrem empathisch und hochsensibel, spricht ständig über Gefühle, postet endlos darüber und weint demonstrativ immer wieder in der Öffentlichkeit. Doch hinter verschlossenen Türen erleben ihre Kinder und ihr enges Umfeld etwas ganz anderes: emotionale Kälte, Unsensibilität und missbräuchliches Verhalten. Rike ist abwertend und wird ihren Kindern gegenüber sogar regelmäßig körperlich übergriffig. Dabei ist sie Leiterin der Kita. Auch ihre enge Freundin Lisa ist immer wieder geschockt, wie böse und hinterhältig Rike über andere redet und nur ihren Vorteil erzielen will. Während Rike nach außen das Bild der verletzlichen, tief fühlenden Person immer stärker fokussiert, wundern sich die Menschen, die sie länger kennen, immer mehr darüber, wie viel Fake das alles ist.
Realitätscheck Narzissmus: Wunschimage Charakterkopf und zynisch vs. Muffig und abwertend
Narzissten mögen es manchmal auch, als Charakterköpfe, ruppig, zynisch und ungehobelt zu gelten. Unter dem Deckmantel „eben so zu sein“ machen sie abwertende Sprüche nach dem Motto, das ist „die Wahrheit“ oder ein typischer „Scherz“. Schaut man sich das Verhalten aber genauer an, sind sie oft muffig, miesepetrig, abwertend und anstrengend. Damit ziehen sie auch ihr Umfeld mit herunter. Dieses Verhalten zeigt sich besonders bei verdeckten Narzissten.
Der muffige Pedro
Alle saßen beim Grillen zusammen, Pedro war auch eingeladen. Wieder einmal machte er den ganzen Abend abwertende Sprüche über Personen und das Essen. Alle kannten das schon, aber trotzdem wurde er immer anstrengender mit ihm, und sein Verhalten zog so die Laune runter. Seine Frau hatte sich deshalb jetzt auch schon von ihm getrennt, denn er war dort zu Hause sogar noch mieser und abwertender zu ihr gewesen.
Wunschimage: Großartige und perfekte Eltern vs. abwertende Albtraumeltern
Narzissten lieben das Image, großartige und perfekte Eltern zu sein, oft auch die Vorzeigefamilie. Dabei nutzen sie wirklich jede Gelegenheit, dieses zu untermalen: Bei der Außendarstellung über Social Media oder wenn sie über die Familie erzählen. Im Extremfall sind sie sogar im Kinderbereich engagiert oder sie feiern sich als scheinbar absolut traumhafte Großfamilie wie aus einem Bilderbuch. Sie betonen häufig bei jeder Gelegenheit, was sie alles (angeblich) für die Familie tun und wie wichtig diese für sie ist (nach dem Motto: Familie ist mein Leben!). Überall sind Familienfotos, auf dem Handy, aber auch das Haus ist voller Bilder. In der Schule wird sich besonders engagiert, so dass es auch ihrer Sicht doch gar keinen Zweifel geben kann, wie sehr sie sich einsetzen und wie großartig sie als Eltern sind.
Die Realität ist leider oft ganz anders. Narzisstische Eltern sind abwertend und missbräuchlich. Hinter verschlossenen Türen lassen sie sich von ihren Kindern bedienen, diese werden abgewertet, sind als Tochter oder Sohn nie gut genug. Die größte Sorge der Eltern ist es, dass eines der Kinder das Außenbild gefährden könnte. Wenn dich das Thema narzisstisches Elternhaus interessiert, dann kann ich dir dazu auch mein aktuelles Buch ans Herz legen.
Wunschimage: Ich bin ein nettes „A*loch“ vs. sie sind abwertend und ausnutzend
Es gibt Narzissten, die unfassbar stolz sind, Narzissten zu sein, das habe ich schon oft geschrieben. Wenn es dann noch ganz besonders skurril wird, vermarkten sie das auch noch. Nach dem Motto „netter Unsympath“, „sympathischer Stinkstiefel“ oder „freundlicher Kotzbrocken“. Das Ganze ist ein Widerspruch in sich, aber das machen Narzissten oft. Denn damit wollen sie ein Image schaffen, sich zu verhalten wie ein Idiot, aber eben doch einen neuen Kern zu haben. Den man allerdings lange suchen kann und gerade im engen Umfeld eher selten. Fun Fact: besonders andere Narzissten feiern so ein Verhalten und bejubeln sie dafür, sich so zu präsentieren.
Realitätscheck Narzissmus: Die Realität sieht ganz anders aus.
Sie sind oft überhaupt nicht nett. Sie haben vielleicht, so wie jeder Mensch, auch eine ganz, ganz kleine nette Ecke. Bei ihnen ist das eher immer die gleiche Masche, nett zu wirken: Denn bei genauem Hinsehen erzählen immer die gleichen Geschichten, um zu zeigen, wie freundlich sie angeblich doch sein können. Das machen sie aber nur, um ein wenig nett zu wirken. Aber achte mal darauf: Diese sind alle antrainiert und immer gleich. Eine weitere Masche, das Image des netten A*lochs zu pflegen: Sie schleimen sich mit Komplimenten beim Gegenüber ein, um diese angebliche Freundlichkeit, die sie doch auch haben, zu betonen. Aber auch das ist drüber und extrem cringe, nicht selten auch zum Fremdschämen. Komplimente sind doch eher Sticheleien, und man merkt, dass das alles nicht ernst und authentisch ist. Narzissten denken aber, dass sie dadurch doch irgendwie nett wirken und wollen sich eine vermeintliche Tür beim Gegenüber offenhalten. Diese angebliche Freundlichkeit und Nettigkeiten sind oft aber nur dafür da, eigene Ziele zu erreichen. Denn die Kinder und auch das enge Umfeld wie Kollegen oder Freunde würden anders berichten. Denn besonders hinter den Kulissen bei der Familie sind diese angeblich netten Narzissten besonders bösartig und abwertend.
Beispiel narzisstischer Thomas
„Haha“, lachte der Vater von Jonas bei seinem Social-Media-Auftritt. „Ja, ich bin der nette Unsympath. Denn hinter meiner rauen Schale, da ist ein ganz weicher Kern. Das sehen Sie ja auch bei meinem Engagement, das Soziale ist wichtig. Das haben wir ja gemeinsam, was uns unterscheidet, ist, dass Sie dazu noch diese charmante Art haben.“ Jonas schüttelte den Kopf, was für ein Blödsinn. Sein Vater war ein Tyrann. Er war zu Hause so oft ausgeflippt, handgreiflich gewesen und abwertend. Nie hat er ihn gelobt oder auch mal in den Arm genommen. Er hat sich nicht für ihn interessiert. Aber nach außen stellte er sich als der zynische, aber doch engagierte und nette Ekel dar, bei dem es hinter der rauen Schale den sensiblen Kern gab. Er liebte es in dem Zusammenhang auch immer, sein angebliches Engagement im sozialen Bereich zu betonen.









