Schuldgefühle gegenüber narzisstischer Mutter
Permanente Schuldgefühle gegenüber einer narzisstischen Mutter können das eigene Leben stark belasten. Wie zeigen sich diese Gefühle, und warum lösen narzisstische Mütter Schuldgefühle aus sowohl offen als auch subtil, manchmal sogar absichtlich? Ich habe drei typische Verhaltensweisen sowie praktische Beispiele und Tipps für dich zusammengestellt, damit du lernst, diese zu erkennen und besser damit umzugehen.
Schlechtes Gewissen nach dem Setzen von Grenzen gegenüber der narzisstischen Mutter
Das zeigt sich leider immer wieder im Alltag mit einer narzisstischen Mutter: Setzt man als Sohn oder Tochter eine (gesunde) Grenze und stellt sich sowie die eigenen Bedürfnisse und Pläne in den Mittelpunkt, löst das sofort automatisch ein schlechtes Gewissen aus. Das passiert oft sogar dann, wenn die narzisstische Mutter selbst massiv eigene Grenzen überschreitet und Vereinbartes oder Gesagtes nicht einhält.
Beispiel Mirra und ihre narzisstische Mutter
Mirra bekam eine WhatsApp von ihrer Mutter: „Kommen am Wochenende :)“ Sofort durchzuckte es sie. Am Wochenende hatte sie doch gar keine Zeit. Das wusste ihre Mutter doch auch. Sie versuchte, sie zu erreichen, und als es ihr gelang, sagte sie: „Mama, ich kann doch nicht am Wochenende. Wir sind doch bei Kais Eltern eingeladen.“ Da begann es wieder. Ihre Mutter schwieg. „Ach so, das hast du nicht gesagt“, stammelte sie, und dann herrschte diese bedrückende Stille. „Na dann“, schob sie nach. Mirra bekam sofort wieder ein schlechtes Gewissen. Die Stimmung kippte. Konnte sie wirklich absagen? Sie freute sich doch so. Aber ihre Mutter wusste doch auch, dass es genau an diesem Wochenende nicht passte. Sie hatte es ihr schon vor Monaten gesagt, dass sie gerne kommen könnten, aber eben genau da nicht, und hatte ihr das auch noch einmal per WhatsApp geschrieben.
Mein Tipp für dich
Lerne, Grenzen zu setzen und diese durchzuhalten. Das ist ein Weg, und es ist manchmal auch schwer auszuhalten, besonders beim Gaslighting einer narzisstischen Mutter oder auch wenn diese extreme Reaktionen auf Grenzen zeigt wie langes Schweigen oder laut zu werden.
2. Nach Kontaktabbruch oder auch eingeschränktem Kontakt plagen einen starke Schuldgefühle
Wenn man den Kontakt zur eigenen Familie eingeschränkt oder sogar abgebrochen hat, sind Schuldgefühle vor allem zu Beginn oft ständige Begleiter. Zum Thema Kontaktabbruch habe ich bereits viel veröffentlicht, denn es ist einfach nicht leicht. Narzissten erschweren diesen Schritt häufig und versuchen immer wieder, sich in das eigene Leben ihrer Kinder einzumischen. Dabei greifen sie auf ganz unterschiedliche Methoden zurück: Mitleid zu erregen und emotionale Erpressung sind dabei sehr verbreitet. Auch besondere Anlässe wie Geburtstage oder gemeinsame Veranstaltungen nutzen sie, um wieder in das Leben ihrer Kinder einzutreten. Dabei emotional stabil zu bleiben, ist nicht leicht.
Beispiel: Elias hat den Kontakt abgebrochen
„Happy birthday!“ tönte es durchs Handy. Elias freute sich, doch es war immer dasselbe. Seine Eltern, zu denen er den Kontakt eingeschränkt hatte, meldeten sich. Zuerst fragten sie, wie es ihm ging, und er erzählte, wo er gerade war. Doch das hatten sie wie immer schnell wieder vergessen und sie fragten auch nicht weiter nach. Dann erkundigte er sich nach ihrem Wohlbefinden und musste dabei sehr vorsichtig sein. Denn sie waren älter geworden und nutzten das oft als Einstieg. Sein Vater begann sofort: „Ach Junge, es geht so (…).“ Elias lenkte das Gespräch schnell auf seinen aktuellen Urlaub und sagte sofort: „Du, da ist gerade der Service, ich muss jetzt bestellen.“ Sein Vater startete erneut: „Ach Elias, melde dich doch bald mal!“ Elias sagte zwar „ja“, doch er wollte keinen Kontakt mehr und auch nicht mehr zu ihnen fahren. Für ihn gab es einfach nichts mehr zu sagen. Er hatte eigentlich eine klare Meinung, doch nach dem Auflegen meldete sich wieder kurz sein schlechtes Gewisse und dann seine Schuldgefühle: Sie waren alt, und er doch ihr einziges Kind.
Mein Tipp für dich
Ein Kontaktabbruch oder den Kontakt abzubrechen wird dir sicher nicht leichtgefallen sein. Mach dir das und deinen anstrengenden Weg bewusst und beschütze dich davor, dir Vorwürfe zu machen. Stütze deine Entscheidung gedanklich noch einmal, rede dir positiv gedanklich zu.
Toxische extreme Loyalität gegenüber der narzisstischen Mutter
Das wird leider schon seit der Kindheit oft eingeimpft. In vielen Familien herrscht eine sehr ungesunde Loyalität gegenüber den narzisstischen Eltern. Man bekommt Schuldgefühle, wenn man schlecht über sie spricht, vor allem über die eigene Mutter. Deshalb verteidigt man sie, stellt sie in einem guten Licht dar und verarbeitet schlimme Erlebnisse mit ihr allein. Alles andere erscheint einem falsch, als wäre man ein undankbares Kind oder ein Nestbeschmutzer der Familie, auch wenn man Schlimmes mit ihr durchmachen musste. Aus diesem Grund dauert es oft lange, bis sich Tochter oder Sohn trauen, offen darüber zu sprechen. Dabei ist das für die psychische Gesundheit von großer Bedeutung und enorm wichtig auch für die eigen Weiterentwicklung.
Beispiel: Elisa unter emotionalem Druck
Elisa hatte ein sehr schlechtes Gewissen. In ihrer Therapiesitzung ging es zum ersten Mal um ihre Eltern, auch um ihre Mutter. Jetzt war sie zu Hause, und Schuldgefühle plagten sie. Was denkt die Psychotherapeutin wohl jetzt über ihre Mutter? So schlimm war sie doch auch nicht. Trotzdem fühlte Elisa sich sehr schlecht und glaubte, ihrer Mutter gegenüber unloyal zu sein.
Mein Tipp für dich
Sich auch einmal negativ und kritisch über eine narzisstische Mutter zu äußern, ist kein Verbrechen. Im Gegenteil: Es ist sogar gesund und ein Zeichen dafür, dass man sich abnabelt und eigene Wege geht. Leider ist man oft in einer toxischen Beziehung zur Mutter gefangen. Erkenne das und halte die Schuldgefühle aus. Und: Nein, dafür gibt es auch keine Strafe von irgendwoher (solche Gedanken können einem im Extremfall mitunter kommen).











