
Abwertungen narzisstische Mutter
Immer wieder gibt es spitze Bemerkungen und Sticheleien. Als Tochter oder Sohn macht man scheinbar nichts richtig, und als „schwarzes Schaf“ war und ist man einer narzisstischen Mutter auch finanziell nie etwas wert. Aber auch als goldenes Kind ist man unter Dauerbeschuss, hat das Gefühl nicht perfekt und gut genug zu sein. Abwertungen gehören bei narzisstischen Müttern leider zum Alltag. Offen oder unterschwellig beginnen diese in der Kindheit und ziehen sich bis ins Erwachsenenalter, wenn man keine klaren Grenzen setzt. Ich habe heute einmal vier ganz typische Abwertungen narzisstischer Mütter, deren mögliche Auswirkungen und praktische Tipps für dich zum souveränen Umgang in schwierigen Situationen.
Abwertungen des Aussehens
Von der narzisstischen Mutter gibt es ständig Bemerkungen, Sticheleien und Kommentare sowie vermeintliche Verbesserungsvorschläge zum Aussehen ihrer Töchter und Söhne. Aber auch zu ihren angeblichen Makeln und Fehlern, auch abwertende Kommentare zur Kleidung oder zum Körpergewicht sind häufig. Dieses Verhalten beginnt teilweise schon als Kind und kann fatale Auswirkungen haben: Als Tochter oder Sohn wird man durch diese Kommentare unsicher, ist unter emotionalen Stress, fühlt sich ständig falsch und nicht gut genug. Denn als Kind glaubt man der narzisstischen Mutter als Instanz, die doch immer Recht hat, diese Sichtweise ist oft anerzogen und deshalb tief verankert. Das kann sich sich deshalb sogar bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Anstatt dann also seine (gesunden) Grenzen zu setzen, arbeitet man sich (emotional) daran ab, doch irgendwann gut genug zu werden. Dass dies ein aussichtsloses Unterfangen ist, merkt man, wenn man tief in den Dynamiken ist, lange Zeit nicht.
Es gibt hier auch noch einen anderen traurigen Aspekt: Nicht selten sind gerade diese Abwertung auch ein starker negativer Einflussfaktor im Bereich der Selbstakzeptanz. Diese führen zu einem gestörten Verhalten zu sich, so beispielsweise auch beim Thema Ernährungen. Im Extremfall kann dies auch ein möglicher Faktor sein, als Tochter oder Sohn Essstörungen zu entwickeln.
Beispiel Ella und ihre narzisstische Mutter
„Bist du NOCHMAL am Buffet gewesen?“ rief Ellas Mutter quer über den Geburtstagstisch. Ellas Mann hatte Geburtstag und sie hatten die Familien zum Wellness nach Österreich eingeladen in ein tolles Hotel mit großartigem Essen. Es war gerade so schön, und schon wieder zerstörte ihre Mutter alles Schöne bei Ella, mit dieser einen Bemerkung. Immer wieder war es das Gleiche: Denn schon als Kind achtete ihre Mutter, die selbst megaschlank und fast magersüchtig war, auf ihr Essen und kommentierte Ella, wenn sie etwas – in ihren Augen – nicht Gutes aß. Das machte sie bis heute. Ella war überhaupt nicht übergewichtig, aber ihre Mutter gab ihr schon ein Leben lang das Gefühl. Ella hatte deshalb sogar eine Essstörung entwickelt, die sie seit ein paar Jahren endlich im Griff hatte, aber war ihre Mutter da, dann war es war alles immer so belastend und anstrengend für Ella und sie begann sofort wieder an sich und ihrer Person zu zweifeln.
Mein Tipp: Erkenne erst einmal mögliche Sticheleien und Abwertungen als solche und entschuldige diese Aussagen nicht. Beginne diese nicht mehr zu akzeptieren und Grenzen zu setzen: „Ich möchte nicht mehr, dass du diese Kommentare machst.“ Lass dich da auch auf keine weiteren Diskussionen ein. Hatte mögliche Reaktionen darauf aus. In meinem aktuellen Buch findest du dazu auch viele Infos und Tipps.
Abwertungen des Verhaltens ihrer Töchter und Söhne
Immer wird man als Tochter oder Sohn von der narzisstischen Mutter korrigiert. So, wie man sich verhält, ist es scheinbar nie richtig. Das setzt sich oft auch später bei den eigenen Kindern, also ihren Enkelkindern, fort. Gestik und Mimik wird kommentiert, man ist nicht freundlich genug, man isst oder sitzt in ihren Augen nicht korrekt am Tisch. Man ist in ihren Augen nicht nett oder erledigt Aufgaben nicht richtig. Sie kommuniziert das dann verbal als auch nonverbal, mit dem Rollen mit den Augen oder indem sie ihre Töchter und Söhne nachmacht und ins Lächerliche zieht. Das eigentliche Problem ist, was man aber lange Zeit nicht sehen kann, dass alles immer nicht richtig ist. Auch dann nicht, wenn man es so ändert, wie sie sich das wünscht. Deshalb wird man ständig korrigiert und auch das eigene Ergebnis abgewertet. Als Tochter oder Sohn kann man das aber lange mitmachen und keine Grenzen setzen. Oft aus einer Gewohnheit heraus und auch, weil man hofft, dass man es schafft, sich irgendwann in ihren Augen richtig und gut genug zu verhalten. Um dann anerkannt und von ihr geliebt zu werden.
Beispiel Caspar und seine narzisstische Mutter
Caspar räumte nach dem Essen mit der Mutter und seiner Frau noch schnell die Küche auf. Seine Mutter Christiane beobachteten wie immer alles ganz genau. Plötzlich sprang sie auf uns schubste ihre Schwiegertochter zur Seite und stellte sich neben ihren Sohn: „Die Teller gehören nicht so in die Spülmaschine. Du machst dir immer unnötig viel Arbeit, wann lernst du das endlich und auch das Besteck, Caspar! “ Obwohl schon lange alles erledigt gewesen wäre, korrigiert sie jeden Handgriff und räumte alles aus und erneut wieder nach ihren Vorstellungen ein. Caspar entschuldigte sich mehrfach für seinen Fauxpas (so nannte er es auch immer). Er fühlte sich wie früher als Schüler, wo er auch nie etwa richtig machte, dabei war er jetzt Ende 40 und Marketingmanager in einem Verlag.
Mein Tipp: Sieh auch hier das Verhalten und auch, dass dies nicht passiert, damit es dir gut geht, sondern erkenne die negativen Effekte. Beginne, sich hier deine Grenzen zu setzen: „Ich finde es in Ordnung so, wie ich es mache, ich bin auch schon Erwachsen. Wenn du es anders machst, ist das auch in Ordnung, aber ich mache es so, wie ich es für richtig halte.“ Mache dir folgendes Bewusst: Du bist heute ein erwachsener Mensch mit dem Recht auf eine eigene Meinung und Haltung.
Abwertungen der Bildung
Das, was man macht, ist nicht ausreichend, wird belächelt oder ignoriert. In der Schule ist man als Tochter oder Sohn eigentlich nie gut genug. „Nur eine 2 und keine 1“ hieß es da ständig. So wurde vielleicht schon als Kind von der narzisstischen Mutter ständig das Haar in der Suppe gesucht und Erfolge klein geredet. Zudem wurde man immer verglichen bei den Leistungen, und andere sind aus den unmöglichen Gründen immer besser als man selbst.
Es gibt aber auch die andere Seite der Medaille: Manchmal haben narzisstische Mütter gar kein Interesse an der Bildung ihrer Kinder. Sie kümmern sich nicht und fördern die eigenen Kinder nicht in ihrer schulischen Weiterentwicklung oder weiteren Ausbildung. Das teilweise mit verheerenden Folgen. Im Extremfall ist dies eine Form der ökonomischen Gewalt. Wie kann das beispielsweise aussehen: Trotz rechtlicher Grundlage gibt es für die Tochter oder den Sohn kein Bafög. Denn die narzisstische Mutter will und wird nicht zahlen. Schließlich hätte es in ihren Augen eine Ausbildung auch getan, sie ist zu geizig, ihre eigenen Kinder zu unterstützen, denn diese sind es in ihren Augen nicht wert.
In der Schule bekommt man als Tochter oder Sohn kein Lob, keine Nachhilfe und Unterstützung. Steht man im Berufsleben, so weiß sie angeblich immer nicht, was man beruflich genau macht, denn scheinbar vergisst sie es immer (Nein, sie hat einfach kein Interesse). Auch das ist eine typische Form der Abwertung.
Mein Tipp: Oft ist es ein Muster, dass eine narzisstische Mutter ihrem Kind das Gefühl gibt, nicht gut zu sein und auch nicht genug, was die Bildung betrifft. Erkenne das und entwickle eine klare Haltung: Du bist gut, egal, was du beruflich machst, sei stolz auf das, was du erreicht hast. Mitunter wirst du eine Anerkennung von deiner Mutter dafür niemals erhalten. Das liegt aber nicht an dir, sondern an ihr.
Körperliche Gewalt als extreme Form der Abwertung
Im Extremfall erlebt man als Kind und Jugendlicher eine besonders schlimme Art der Abwertung: Denn immer wieder im Alltag gibt es Gewalt und „Ausraster“ der narzisstischen Mutter. Mit verletzenden Worten wertet sie ihre Kinder alltäglich ab, aber auch mit Taten, also körperlichen Übergriffen wie Tritten und Ohrfeigen. Das alles nicht selten hinter einer schönen Fassade und hinter verschlossenen Türen.
Mein Tipp: Gewalt in der Kindheit kann schwere Auswirkungen auch als Erwachsener haben. Dazu habe ich schon viel geschrieben. Oft verdrängt man das Erlebte lange, akzeptiert Entschuldigungen, warum die Eltern auch körperlich übergriffig gewesen sind. Man redet dieses Verhalten klein so wie sie es auch tun. Es ist oft aber wichtig, sich dieses Thema und die eigenen Erlebnisse einmal genauer anzuschauen und das übergriffige Verhalten nicht zu entschuldigen.
Was machen diese Abwertungen einer narzisstischen Mutter mit einem als Kind und Erwachsener?
Warum ist es wichtig, sich mit dem Thema Abwertungen der narzisstischen Mutter zu beschäftigen? Meiner Erfahrung nach sind gerade diese negativen Erfahrungen es, die einen lange verunsichern. Vor allem aber auch in der Entwicklung hemmen und den Selbstwert zutiefst erschüttern. Das bestätigt auch die Wissenschaft:
Studie zu Abwertungen in der Kindheit
Hierzu habe ich eine Studie gefunden, deren Ergebnisse ich nur unterstreichen kann. Die Studie lautet: „Childhood verbal abuse as a child maltreatment subtype: A systematic review of the current evidence“. Auf Deutsch übersetzt: „Verbale Gewalt in der Kindheit als eine Form der Kindesmisshandlung: Eine systematische Übersicht über den aktuellen Wissensstand“. Sie ist aus 2023 von Shanta Rishi Dube und Kollegen, Wingate University, Wingate, United States.
Diese systematische Übersichtsarbeit wertete 166 Studien zur verbalen Gewalt gegenüber Kindern aus. Viele Punkte, die ich eben auch beschrieben hatte. Die Ergebnisse zeigen Zusammenhänge dieser Kindheit mit unter anderem Depressionen, Ängsten, geringem Selbstwert, emotionalen Problemen, Aggressivität und späteren Beziehungsschwierigkeiten. Die Autorinnen und Autoren plädieren dafür, verbale Gewalt als eigenständige Form der Kindesmisshandlung anzuerkennen und auch entsprechende Prävention durchzuführen. Sehr gut, wie ich finde.
Denn als Kind kennt Wertschätzung nicht: „Nicht gemeckert ist genug gelobt“ ist das Motto in diesen Elternhäusern. Man ist Abwertungen gewöhnt und dass man nicht unterstützt wird, sondern eher andere. Dazu kommt oft das Problem, ein gestörtes Verhältnis zu sich und seinem Körper entwickeln. Und auch, wenig Selbstwert haben. Man sucht sich ungesunde Partner, denn man empfindet den Umgang normal, obwohl man merkt, dass es nicht guttut. Zum Stapeln man zu tief wie beispielsweise bei Bildung (schlecht bezahlte Jobs) oder geht Bildungswege, die man könnte nicht.
Video zur Abwertung en einer narzisstischen Mutter
Marie
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